Leipziger Allerlei – Industriekaufleute zu Besuch in der “Heldenstadt”

Klassenfahrten gibt es in der Berufsschule kaum. Eine Ausnahme bilden die Industriekaufleute, die in jedem Jahr für eine Woche “Lernen an einem ganz anderen Ort” praktizieren. Bereits zum zweiten Mal in Folge war Leipzig das Ziel. Klassenlehrer Stefan Heine hatte für seine IN-B1-25 “gekocht”, indem er ein abwechslungsreiches und attraktives Programm auf die Beine gestellt hatte. Das “Leipziger Allerlei” begann mit einer Stadtführung durch die Straßen, die nicht unser Zuhause sind, uns aber im Laufe der Woche immer vertrauter wurden. 

Zu den Höhepunkten zählten sicherlich die Betriebsbesichtigungen. Zunächst im DHL-Hub am Flughafen, dem weltweit größten Drehkreuz des Logistikdienstleisters. Hier landen und starten Nacht für Nacht etwa 75 Flugzeuge und schlagen in diesem Zeitraum über 300.000 Sendungen um. Auch das BMW-Werk ist sehr produktiv, da es in jeder Minute ein fertiges Auto “ausspuckt”. Dabei gleicht kein Auto dem anderen, denn es werden 1er, 2er und Minis in allen Antrieben, Farben und Ausstattungsvarianten produziert, was optimal abgestimmte Prozesse und Versorgungslogistik erfordert.

Für viele war der Mittwoch vermutlich der schönste Tag. Zunächst ging es bei Top-Wetter mit dem Fahrrad zum beeindruckenden Völkerschlachtdenkmal, wo wir eine interessante Führung bekamen und anschließend selbst die über 500 Stufen auf die Aussichtsplattform erklommen. Anschließend radelten wir weiter zum Cosepudener See und hatten mitten im sächsischen Oktober plötzlich Strandfeeling. Am Abend brachten uns Nachwuchswissenschaftler bei einem Science Slam, der dem Poetry Slam ähnlich ist, zum Lachen. Lustig wurde es auch später bei einem inoffiziellen Programmpunkt in einer Karaoke-Bar, in der einige Schülerinnen und Schüler eine starke mündliche Performance zeigten.

Ein ernsteres Thema war die friedliche Revolution von 1989. In einem Actionbound, einer Art digitaler Schnitzeljagd, konnte sich die Klasse über die gesamte Woche Aufgaben dazu erarbeiten. Zudem besuchten wir das Museum “Runde Ecke” und informierten uns über die perfiden Methoden der Stasi. Eine besondere Herausforderung wartete am vorletzten Tag, als nach drei Tagen Sonne pünktlich zu einem Rundgang zum Thema Industriekultur im Stadtteil Plagwitz der Himmel seine Schleusen öffnete und wir von Unterstand zu Unterstand liefen, um den Ausführungen unseres Guides zu folgen. Nach einer lehr- und erlebnisreichen Woche in der selbst ernannten “Heldenstadt” brachte uns die Bahn nicht ohne Schwierigkeiten, aber pünktlich an die Flensburger Förde zurück.

Abschließend 10 Hot Takes dieser Klassenfahrt:

  • Leipzig ist die Stadt der Superlative: Alles ist „am besten“, „am größten“, „am ältesten“, „am schnellsten“, „am meisten“…
  • Der Name „Heine“ ist in Leipzig-Plagwitz weltberühmt.
  • Napoleons Feldzug endete nicht in Stalingrad.
  • Mini-Fahrer gelten in der Fachwelt als „speziell“.
  • „New Yorker“ wurde in Flensburg gegründet (und dafür muss man erst nach Leipzig reisen…).
  • Ein 30-minütiger Nachtmarsch zur nächsten Tram kann überlebt werden.
  • Jede/r von uns trägt einen Günther in sich.
  • Schleswig-Holsteiner sind sehr freundliche und hilfsbereite Menschen.
  • 7 Party-Pizzen sind mehr als ausreichend für 24 Personen
  • Bei schlecht sitzender Frise trägt man am besten ganztägig einen Fahrradhelm.

Text: Dr. Kai Teichmann / Stefan Heine